Beitragsrückerstattung Private Krankenversicherung

PKV Tarife mit Beitragsrückerstattung

Private Krankenversicherung mit Beitragsrückerstattung kann lohnen

Unter einer Beitragsrückerstattung  in der privaten Krankenversicherung versteht man die Rückzahlung eines Teils der PKV Beiträge an den Versicherten für überzahlte Beiträge, sofern der Versicherte im vergangenen Jahr keine Kostenerstattungen bzw. Leistungen beansprucht hat.

Eine Beitragsrückerstattung, kurz BRE oder auch Beitragsrückgewähr genannt, ist also eine teilweise Erstattung von bereits gezahlten Monatsbeiträgen.

Zu unterscheiden ist die garantierte und die erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung. Abhängig von den Versicherungsbedingungen des jeweiligen PKV Tarifs können Beitragsrückerstattungen in Höhe von mehreren Monatsbeiträgen gewährt werden.

Sie reduzieren die Versicherungsbeiträge ganz erheblich und sind ein interessantes Argument bei der Wahl eines neuen PKV-Versicherers oder bei einem Tarifwechsel.

Die Informationen zur PKV Beitragsrückerstattung (BRE Beitragsrückgewähr) im Überblick:

  • PKV Tarife mit Beitragsrückerstattung sinnvoll?
  • Beispiel zur Berechnung von Kostenersparnis bei PKV Tarifen mit Beitragsrückgewähr
  • Kombination aus Selbstbeteiligung und Beitragsrückerstattung in der PKV sinnvoll?
  • Unterschiede zwischen erfolgsabhängiger und garantierter Beitragsrückerstattung
  • Varianten der BRE: einmalige Barauszahlung, einmalige Beitragsverrechnung, dauerhafte Beitragssenkung
  • PKV Beitragsrückerstattung in der Steuererklärung: Steuereffekt der BRE
  • Tarife der privaten Krankenversicherung mit Beitragsrückerstattung im Test und Vergleich

Auch Tarife mit Beitragsrückgewähr und Leistungen in gleichem Umfang unterschieden sich im Preis teils erheblich. Deshalb ist ein unabhängiger PKV Vergleich sinnvoll, bei dem auch die Testsieger der privaten Krankenversicherung gegenübergestellt werden.

Private Krankenversicherung mit Beitragsrückerstattung sinnvoll?

PKV Tarife mit Beitragsrückerstattungen sind grundsätzlich für angestellte Arbeitnehmer und Selbständige bzw. Freiberufler sinnvoll. Gesunde Versicherte, die im vergangenen Jahr nur wenige ärztliche Leistungen in Anspruch genommen haben, können diese aus eigener Tasche bezahlen. Dies gilt umso mehr, wenn sie im Gegenzug dafür eine Rückerstattung von mehreren Monatsbeiträgen erhalten.

Arbeitgeberzuschuss bleibt trotz BRE erhalten

Der Arbeitnehmer erhält die Rückerzahlung der PKV Beiträge allein, eine Aufteilung auf den Arbeitgeber in proportionaler Höhe des Arbeitgeberzuschusses erfolgt nicht. Der Versicherungsnehmer profitiert finanziell allein, wenn er keine Arztrechnungen zur Erstattung eingereicht hat.

Auch für den Selbständigen stellt sich die Situation finanziell vorteilhaft dar, denn er reduziert durch eine Rückerstattung seine Auslagen für den Krankenversicherungsschutz ebenfalls.

PKV Tarife mit Beitragsrückgewähr für Beamte sinnvoll?

Im Vergleich zu den Angestellten und Selbständigen profitieren Beamte weit weniger von einer Beitragsrückgewähr ihrer PKV. Beamte und Referendare erhalten die Beihilfe zu ihren Krankheitskosten in Höhe von bis zu 80 Prozent. Die restlichen Kosten decken Beamte mit einer Restkostenversicherung in einem Beamtentarif bzw. dem Beihilfeergäzungstarif ab.

  • Beamte profitieren weniger von Beitragsrückerstattungen

Eine Beitragsrückerstattung schlägt sich hier also deutlich geringer in Kostenersparnissen aus, da auch deutlich geringere monatliche Beiträge entrichtet werden. Lediglich wenn in einem Jahr keine ärztlichen oder medizinischen Kosten anfallen, ist eine BRE in der PKV für Beamte sinnvoll.

Beispiel Berechnung: Wann sich die Beitragsrückerstattung in der PKV lohnt

Ein 45 Jahre alter Musterkunde zahlt für einen PKV Komforttarif ohne Selbstbeteiligung beispielsweise 575 Euro im Monat, ein 30 Jähriger deutlich weniger. Darin enthalten sind Kostenerstattungen für die Heilpraktikerleistungen, für die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus und für Zahnersatz und Kieferorthopädie in Höhe von 80 Prozent der anfallenden Kosten.

Der PKV Tarif sieht eine Beitragsrückerstattung von drei Monatsbeiträgen vor, sofern im vergangenen Kalenderjahr keine Leistungen in Anspruch genommen wurden. Somit erhält der Versicherte bei Leistungsfreiheit eine Erstattung von 1.725 Euro im darauffolgenden Jahr.

  • Durch die Beitragsrückerstattung reduzieren sich die Kosten für seinen Krankenversicherung pro Jahr von 6.900 Euro auf nur noch 5.175 Euro

Einige private Krankenversicherungen erstatten bis zu sechs Monatsbeiträge zurück, wenn über einen Zeitraum länger als einem Jahr keine Kostenerstattungen eingereicht werden.

Beitragsrückerstattung in MonatsbeiträgenBeitrag pro MonatBeitrag pro JahrKostenersparnis pro Jahr
keine575,006.900,00-
BRE 1 Monatsbeitrag527,086.325,00575,00
BRE 2 Monatsbeiträge479,175.750,001.150,00
BRE 3 Monatsbeiträge431,255.175,001.725,00
BRE 6 Monatsbeiträge287,503.450,003.450,00
*für jüngere Versicherte deutlich günstiger, siehe PKV Rechner oben

Private Krankenversicherung mit Beitragsrückerstattung in Kombination mit Selbstbeteiligung

Ein Tarif mit Beitragsrückerstattung ist auch dann interessant, wenn der Tarif eine Selbstbeteiligung vorsieht. Entscheidet sich der Musterkunde für einen Tarif mit Selbstbehalt in Höhe von 300 Euro, reduziert sich sein Versicherungsbeitrag exemplarisch auf 525 Euro im Monat oder auf 6.300 Euro jährlich.

Die Beitragsrückerstattung beträgt bei drei Monatsbeiträgen 1.575 Euro. Der Versicherte trägt dann nur noch 4.725 Euro im Jahr. Je höher der monatliche Beitrag, desto höher die Beitragsrückerstattung der PKV.

  • Private Krankenversicherung mit Selbstbeteiligung und Beitragsrückerstattung für gesunde versicherte sinnvoll
SelbstbehaltBeitragsrückerstattungMonatsbeitragJahresbeitrag
ohneohne575,006.900,00
300 pro Jahrkeine525,006.300,00
300 pro Jahr3 Monatsbeiträge393,754.725,00
*für jüngere Versicherte deutlich günstiger, siehe PKV Rechner oben

Dennoch darf die Entscheidung für einen Krankenversicherer oder einen Tarif nicht ausschließlich anhand der Höhe der Beitragsrückerstattung und der Kostenersparnis durch die Selbstbeteiligung erfolgen. Letztlich handelt es sich dabei um eine Leistung des Versicherers an gesundheitsbewusste Versicherte ohne Erkrankungen. Der Verzicht auf eine Beitragsrückerstattung kann ebenfalls sinnvoll sein.

Nicht immer ist eine PKV Beitragsrückerstattung lohnenswert

So attraktiv eine Rückerstattung von mehreren Monatsbeiträgen sein mag, so wenig sollte man sie in Anspruch nehmen, wenn ärztliche Leistungen tatsächlich erforderlich sind. Wer ernsthaft erkrankt ist oder ein langwieriges chronisches und schmerzhaftes Leiden behandeln lassen muss, sollte von der Inanspruchnahme der Beitragsrückerstattung absehen.

  • BRE im PKV Tarif bei chronisch Kranken nicht sinnvoll

Es ist auch aus finanziellen Gründen nicht sinnvoll, Krankheits- und Behandlungskosten für ärztliche, zahnärztliche oder stationäre Leistungen oder teure Medikamente in Höhe von 3.000 Euro oder mehr im Jahr zu bezahlen, nur weil eine Beitragsrückerstattung von drei Monatsbeiträgen über rund 1.500 Euro beansprucht werden kann.

Wer also absehen kann, dass die medizinische Betreuung durch einen allgemeinen Arzt, durch einen Facharzt, im Krankenhaus oder durch einen Zahnarzt aufgrund des aktuellen Gesundheitszustands erforderlich ist, kann diese Leistungen im Interesse der eigenen Gesundheit unbeschadet der Kosten in Anspruch nehmen und auf eine Beitragsrückerstattung verzichten.

Beitragsrückgewähr von bis zu sechs PKV Monatsbeiträgen

Dies gilt auch, wenn der Versicherer Rückerstattungen über einen kumulierten Zeitraum gewährt. Einige Gesellschaften zahlen im ersten Jahr der Leistungsfreiheit einen Monatsbeitrag zurück, im zweiten Jahr ohne ärztliche Leistungen steigt die Rückerstattung dann auf zwei Monatsbeiträge. Je nach Tarif sind Rückerstattungen in Höhe von bis zu sechs Monatsbeiträgen vorgesehen.

Der finanzielle Anreiz mag für den Versicherten enorm sein, keine Rechnungen zur Erstattung einzureichen. Dennoch gilt auch bei dieser kumulierten Berechnung der Beitragsrückerstattung, dass man sie nur dann geltend machen sollte, wenn keine ärztlichen Leistungen nötig sind oder diese lediglich geringe Kosten verursachen..

Erfolgsabhängige und garantierte Beitragsrückerstattung der PKV

Beitragsrückerstattungen können in den Versicherungsbedingungen garantiert sein (garantierte BRE), sie können aber auch vom Erfolg des Versicherers abhängen (erfolgsabhängige BRE). Eine erfolgsunabhängige oder garantierte Rückerstattung wird nur von wenigen privaten Krankenversicherungen angeboten.

Private Krankenversicherung mit garantierter Beitragsrückgewähr

Garantierte Beitragsrückerstattungen werden von der dann gewährt, wenn dies in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen des PKV Tarifs vorgesehen ist und wenn der Versicherte im zurückliegenden Kalenderjahr keine Leistungen in Anspruch genommen hat.

Garantierte Beitragsrückerstattungen müssen von der privaten Krankenversicherung unabhängig vom erzielten Geschäftserfolg erstattet werden. Auch wenn ein Versicherer in einem Jahr ein eher schlechtes Geschäftsergebnis erzielt, muss er die zugesicherten Monatsbeiträge an seine Versicherungsnehmer auszahlen.

  • garantierte Beitragsrückerstattung erfolgt unabhängig vom Geschäftsergebnis der PKV

Vor allem bei Tarifen, die eine kumulierte Beitragsrückerstattung bei mehreren leistungsfreien Jahren vorsehen, macht eine Rückzahlung von Beiträgen eine erhebliche Größenordnung aus. Deshalb verzichten viele Krankenversicherer auf die Vereinbarung einer garantierten Rückerstattung.

Private Krankenversicherung mit erfolgsabhängiger Beitragsrückgewähr

Erfolgsabhängige Rückerstattungen von überzahlten PKV Beiträgen werden von vielen privaten Krankenversicherungen angeboten. Der Versicherer ist nur dann zur Rückzahlung von Monatsbeiträgen verpflichtet, wenn er ausreichend Überschüsse erwirtschaftet hat.

Es handelt sich hier explizit um eine freiwillige Leistung des Versicherers, die nur dann gewährt wird, wenn die wirtschaftliche Situation und das Geschäftsergebnis dies als sinnvoll erscheinen lassen.

  • erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung nur bei entsprechenden Überschüssen der PKV

Im Vergleich zur garantierten Rückerstattung wird die erfolgsabhängige BRE von fast allen Gesellschaften angeboten und in der Praxis auch ausbezahlt. Das Instrument der Beitragsrückgewähr kann der Versicherer als Mittel zur Kundenbindung bzw. Kundengewinnung nutzen.

Wird dieses Instrument dagegen bei einer wirtschaftlich guten Ausgangslage nicht angewandt, besteht ein hohes Risiko, selbst treue Versicherungskunden an die konkurrierenden PKV-Gesellschaften zu verlieren.

Varianten der Auszahlung von Beitragsrückerstattungen in der PKV

Grundsätzlich kann der Krankenversicherer die Beitragsrückerstattung als Barauszahlung, als einmalige Beitragsreduzierung oder als längerfristige Beitragsabsenkung gestalten. Selbst eine anstehende Beitragsanpassung kann die Gesellschaft mit einer Beitragsrückerstattung verrechnen.

  • BRE als einmalige Barauszahlung
  • BRE als einmalige Beitragsreduzierung
  • BRE als langfristige Beitragssenkung
  • Verrechnung der BRE mit Beitragserhöhungen

In der Praxis wählen viele Versicherer die einmalige Barauszahlung als verkaufswirksames Argument der Kundenbindung. Letztlich macht es auf die meisten Versicherten einen guten Eindruck, wenn sie einmal jährlich eine größere Summe von ihrer PKV für überzahlte Beiträge ausgezahlt bekommen.

Der Versicherer weist die anstehenden Beitragsrückerstattungen als Rückstellung in seinem Jahresabschluss aus. In der Bilanz der Gesellschaft entspricht die ausgewiesene Rückstellung einer Kostenposition, die den zu versteuernden Unternehmensgewinn unmittelbar reduziert.

Der Versicherer hat von einer hohen Beitragsrückerstattung an seine Versicherten also letztlich einen steuerlichen Vorteil, denn sie reduziert seine Steuerlast.

Geminderter Steuervorteil der PKV Beiträge durch Beitragsrückerstattung

Durch das Bürgerentlastungsgesetz können die Beiträge zur privaten Krankenversicherung bei der jährlichen Steuererklärung angegeben und steuermindernd geltend gemacht werden. Selbständige können die Beiträge bis zu 2.800 Euro im Jahr von der Steuer absetzen, bei Arbeitnehmern werden 1.900 Euro jährlich steuerlich berücksichtigt.

Gewährt der Versicherer eine Beitragsrückerstattung, reduziert sich der Versicherungsbeitrag, der in der Steuererklärung angegeben werden darf, da der Steuerpflichtige nur die Versicherungsbeiträge steuermindernd geltend machen darf, mit denen er tatsächlich belastet wurde.

Ob die Inanspruchnahme der Rückerstattung aus steuerlichen Gründen sinnvoll ist, sollte ein kompetenter Steuerberater prüfen.

Grundsätzlich kann als Anhaltspunkt gelten, dass der Ansatz von PKV-Beiträgen mit oder ohne Beitragsrückerstattungen zwar einen steuerlichen Effekt hat, doch dieser kann im Einzelfall zu vernachlässigen sein.

Das liegt daran, dass die PKV-Beiträge nur bis zur Höhe der gesetzlich festgelegten Grundleistungen steuermindernd geltend gemacht werden dürfen und dass in der absetzbaren Höchstgrenze noch weitere Versicherungsbeiträge für die Haftpflicht- und die Berufsunfähigkeitsversicherung enthalten sein können.

Private Krankenversicherung Tarife mit Beitragsrückerstattung im Test

In der jüngeren Vergangenheit haben weder Stiftung Warentest, noch Ökotest oder Focus Money explizite Vergleiche für PKV-Tarife mit Beitragsrückerstattung durchgeführt.

Zwar standen Testergebnisse zur privaten Krankenversicherung für Beamte, für Arbeitnehmer und für Selbständige im Fokus, und auch nach der Höhe der Selbstbeteiligung wurde zum Teil unterschieden. Differenzierungen nach Grundschutz- und Komfortschutztarifen waren ebenfalls häufiger zu finden. In keiner der PKV Test-Vergleiche der Jahre 2012 bis 2014 wurden allerdings explizit Policen mit Beitragsrückerstattungen getestet.

Da neben der Rückerstattung vor allem das Preis-Leistungs-Verhältnis bei der Wahl des besten Tarifs eine große Rolle spielt, sind Versicherte gut beraten, wenn sie sich auf ein Testergebnis für ihre Berufsgruppe beziehen und sich dann für einen Tarif mit Beitragsrückerstattung entscheiden.