Private Krankenversicherung hält medizinischen Fortschritt aufrecht

Nach Meinung des BÄK-Präsidenten Frank Ulrich Montgomery hält das duale Krankenversicherungssystem aus PKV und GKV den medizinischen Fortschritt in Deutschland aufrecht.

Duales Krankenversicherungssystem

Abschaffung der PKV bedeutet Stillstand im medizinischen Fortschritt, so der BÄK-Präsident

In einem Interview mit der ÄrzteZeitung übt er scharfe Kritik sowohl an der Studie Bertelsmann-Stiftung zur Abschaffung der Beamten-Beihilfe als auch an den Plänen von SPD, Grünen und Linken zur Abschaffung der Privaten Krankenversicherung zu Gunsten der einheitlichen Bürgerversicherung.

Das Ende der PKV und des dualen Gesundheitssystems in Deutschland bedeutet seiner Auffassung nach nicht mehr Gerechtigkeit für Patienten, sondern ist eher ein „Turbo-Lader für die Zwei-Klassen-Medizin“.

Pro duales Krankenversicherungssystem und Kritik an Bürgerversicherung

Kurz vor der Bundestagswahl 2017 geht es Schlag auf Schlag. Zum einen konkretisiert die SPD ihre Pläne zur Bürgerversicherung und nähert sich damit den Positionen von Grünen und Linke weiter an.

Zum anderen wartet die Bertelsmann-Stiftung mit der IGES-Studie auf, die laut Modellrechnung Einsparungen für Bund und Länder von mehr als 60 Milliarden Euro bis ins Jahr 2030 sieht und schlägt die Abschaffung der Beamten-Beihilfe für die Private Krankenversicherung vor.

Kritik an der IGES Studie der Bertelsmann-Stiftung

Beides lehnt der Präsident der Bundesärztekammer Professor Frank Ulrich Montgomery entschieden ab und übt Kritik sowohl an der IGES Studie als auch an den Plänen der Einführung einer Bürgerversicherung auf Kosten der PKV.

In seiner Kritik an der Bertelsmann-Stiftung spricht er der Studie „jeglichen rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Realitätssinn“ ab. Explizit geht Montgomery auf den Umstand ein, dass die IGES-Studie bei ihrer Berechnung die bereits gebildeten Altersrückstellungen der Beamten in der PKV nicht berücksichtigt.

Mindesteinkommen als Voraussetzung für die PKV auch für Beamte?

Die Bertelsmann-Stiftung errechnet in ihrem Modell Kostenersparnisse von mehr als 60 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 durch die Abschaffung der Beihilfe für Beamte in Kombination mit der Einführung der Versicherungspflichtgrenze auch für Beamte nach dem Modell der Angestellten und Arbeitnehmer.

Kompensation über die Beamtenbesoldung und Versorgung nicht berücksichtigt

Ferner gibt er zu bedenken, wie den rund zwei Drittel der insgesamt drei Millionen betroffenen Beamten Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Krankenkasse auferlegt werden können, ohne dies bei der Beamtenbesoldung und Versorgung zu berücksichtigen. Diese Schwäche gesteht auch die Bertelsmann-Stiftung ein.

Aus für die Private Krankenversicherung gefährdet medizinischen Fortschritt in Deutschland

Die großzügige Kostenerstattung für Patienten in der privaten Krankenversicherung ist der aktuelle Rettungsanker der niedergelassenen Ärzte vor allem in ländlichen Regionen. Ohne die Privatpatienten können viele Arztpraxen allein mit den immer stärker limitierten Erstattungen der gesetzlichen Krankenkassen nicht weiter wirtschaftlich geführt werden. Für die ohnehin gebeutelten ländlichen Regionen wäre dies ein weiterer scherzhafter Einschnitt.

Fortschritt in Therapie und Diagnostik dank PKV

Im Interview mit der ÄrzteZeitung geht der BÄK-Präsident auch auf den Innovationsdruck der PKV auf die gesetzlichen Kassen ein. Diese sehen sich unter dem starken Wettbewerb mit den privaten Kassen genötigt, trotz der zunehmenden Einsparungen und Kürzungen eine Mindestversorgung aufrecht zu erhalten.

Ohne diese Konkurrenz im dualen Krankenversicherungssystem befürchtet Montgomery fehlende Anreize für den medizinischen Fortschritt in Diagnostik und Therapie. Alleine die Abschaffung der Beamtenbeihilfe und die Anhebung des Mindesteinkommens für die private KV würden dem Gesundheitssektor sechs Milliarden Euro pro Jahr entziehen.

Diskrepanz auch bei Anhebung der Vergütung über EBM

Daran würde auch die Anhebung der durchschnittlichen Vergütung über den EBM (Vergütungssystem der vertragsärztlichen Versorgung nach einheitlichem Bewertungsmaßstab in Deutschland) nichts ändern. Auch eine Erstattung über dem EBM ändere nichts an der Diskrepanz zwischen ärztlicher Versorgung auf dem Land und in Ballungsgebieten einerseits und zwischen den medizinischen Fachrichtungen andererseits.

Mehreinnahmen durch Privatpatienten kommen auch Kassenpatienten zu Gute

Diese Mindereinnahmen würden Ärzte, Psychotherapeuten, Hebammen finanziell schwer treffen und damit am Ende auch sowohl die Privatpatienten als auch die Kassenpatienten. Denn erst die großzügigen Kostenerstattungen der privaten Krankenversicherung würden eine hochwertige Ausstattung in Krankenhäusern und Arztpraxen ermöglichen, die den Patienten unabhängig ihrer Kassenzugehörigkeit zur Verfügung ständen.

So sieht der BÄK-Präsident Montgomery den Lösungsansatz in PKV-internen Verbesserungen die Übertragbarkeit der Altersrückstellungen betreffend und nimmt hier die privaten Krankenversicherer in die Pflicht. Für den Erhalt des seiner Meinung nach bewährten dualen Gesundheitssystems aus PKV und GKV hält er fest.

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