PKV 2017: Private Krankenversicherung mit Wachstum

Bei der Jahresauftaktveranstaltung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) am 26. Januar 2017 konnte Uwe Laue, Vorsitzender des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) mit einer Überraschung aufwarten.

PKV Zahlen

Geschäftszahlen Private Krankenversicherung 2016

Erstmals seit 2012 ist es der PKV gelungen, die Zahl der Kunden in der Krankheitskosten-Vollversicherung zu steigern. Dass der positive Saldo nur das zweite Halbjahr betrifft und für 2016 insgesamt ein negativer Wert verblieb, ging dabei fast unter.

Hier die Zahlen der Geschäftsentwicklung für die Private Krankenversicherung.

Private Krankenversicherung Zahlen: Entwicklung seit Rot-Grüner-Koalition gebremst

Ob ein Arbeitnehmer in die Private Krankenversicherung wechseln darf, hängt von der Höhe seines Einkommens ab. Nur wenn es über der Versicherungspflichtgrenze (siehe JAEG 2017) liegt, hat er im dualen System die Wahl zwischen dem freiwilligen Verbleib in der GKV oder dem Wechsel in die PKV.

Während die christlich-liberale Bundesregierung viele Jahre an einer vergleichsweise niedrigen Jahresarbeitsentgeltgrenze festhielt und der PKV damit ein großes Kundenpotenzial bescherte, war damit nach der Wahl einer rot-grünen Koalition 1998 Schluss. Die Versicherungspflichtgrenze stieg um umgerechnet rund 5.000 Euro.

Und auch die große Koalition machte die Versicherung als Privatpatient schwerer: Von 2007 bis 2010 musst die Entgeltgrenze sogar während der drei vorangegangenen Jahre überschritten sein. Für die PKV bedeutete das einen Einbruch der Neukunden-Zahlen in der Krankheitskosten-Vollversicherung um bis zu 50 %.

PKV: in 2016 bleibt ein kleines Minus, aber die Wechselbilanz ist positiv

Unter dem Strich verbleibt 2016 trotz des hervorragenden zweiten Halbjahrs ein leichtes Minus von 0,2 %, immerhin 17.300 Kunden weniger. Knapp 8,8 Millionen Vollversicherte gibt es jetzt in der deutschen PKV.

Interessanter als die Gesamtzahlen, die zum Beispiel auch von Geburten und Sterbefällen beeinflusst sind, ist der Wechselsaldo. Hier ging es deutlich knapper zu – und mit einem Plus für die Privaten: 120.000 Menschen kehrten der PKV den Rücken, 121.000 verließen die GKV zugunsten eines PKV-Vertrags.

Zumindest die letztgenannte Zahl basiert auf einer freien Entscheidung, während bei den 120.000 Rückkehrern in die GKV durchaus auch unfreiwillige Wechsel zu verzeichnen sind. Nimmt beispielsweise ein Jugendlicher, der über seine Eltern privat versichert ist, eine versicherungspflichtige Arbeit auf, muss er zwangsweise in die GKV.

Befürworter der Bürgerversicherung schielen auf Alterungsrückstellungen

Im Wahljahr 2017 ist die Bürgerversicherung ein Thema bei allen großen Parteien. SPD und Grüne sprechen sich klar dafür aus, CDU und FDP möchten am dualen System festhalten. Ein heißt diskutierter Punkt ist der Umgang mit den Alterungsrückstellungen der Privatpatienten. Sie sind 2016 auf stolze 233 Mrd. Euro angewachsen.

Die Alterungsrückstellung ist erforderlich, damit die Krankenversicherung nicht allein durch das Älterwerden des Versicherten und die dann erhöhten Gesundheitskosten Jahr für Jahr teurer wird. Von einem gleichmäßig kalkulierten Beitrag werden vom Versicherer Teile zurückgestellt, um sie für spätere Leistungsfälle zu verwenden.

Was geschieht mit den Altersrückstellungen?

Ein Problem dabei sind die niedrigen Zinsen, denn die Rückstellungen steigen dadurch nicht wie ursprünglich kalkuliert. Mit Einführung einer Bürgerversicherung müsste geklärt werden, was mit dem Geld aus der Alterungsrückstellung passiert (siehe Kritik an der Bürgerversicherung). Da die Rückstellung aus den Beiträgen der Versicherten vertragsbezogen aufgebaut ist, gehört sie faktisch dem Kunden.

Ein wie auch immer ausgestalteter Bestandsschutz ist deshalb wahrscheinlich – für einige vielleicht auch ein Grund, 2016 noch in die PKV zu wechseln, obwohl die Versicherungspflichtgrenze zum Jahresanfang nochmals kräftig auf 56.250 Euro Jahreseinkommen gestiegen war.

Private Krankenversicherung mit 1,5 Prozent Wachstum in 2016 – und 2017?

Die Beitragseinnahmen der PKV stiegen 2016 um 1,5 % auf 25,3 Mrd. Euro zuzüglich 1,0 Mrd. Euro aus der privaten Pflegeversicherung. Ein wesentlicher Anteil am Wachstum der PKV kommt aus den Zusatzversicherungen. Hier erfreut sich insbesondere die Zahnzusatzversicherung zunehmender Beliebtheit bei Verbrauchern.

Die Private Krankenversicherung profitiert hier von dem als niedrig wahrgenommenen Leistungsniveau der gesetzlichen Kassen.

2016 wurde erstmals die Marke von 25 Mio. Zusatzverträgen überschritten – ein knapp dreimal so großer Bestand wie bei den Vollversicherungen. Angesichts der Unsicherheiten bezüglich der Bürgerversicherung gab es von PKV-Verbandspräsident Laue keine Aussagen zu den Aussichten für 2017.

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